Software & Technik

Weiterleitungen: 301 vs. 302, Ketten und Relaunches ohne Ranking-Verlust

Statuscodes richtig einsetzen, warum Weiterleitungsketten Ladezeit kosten und welcher typische Relaunch-Fehler organischen Traffic zerstört.

Weiterleitungen wirken simpel – bis ein Website-Relaunch ansteht. Dann entscheiden sie darüber, ob Sie Ihre organische Sichtbarkeit behalten oder bei null anfangen.

Die Regeln sind überschaubar. Die typischen Fehler sind teuer und fast immer vermeidbar.

Die HTTP-Statuscodes im Überblick

  • 301 — Moved Permanently: Suchmaschinen übertragen Rankingsignale vollständig auf das neue Ziel und ersetzen die alte URL im Index. Browser cachen 301-Redirects aggressiv und oft dauerhaft – deshalb ist ein fehlerhafter 301 schwer rückgängig zu machen, da wiederkehrende Besucher der Weiterleitung aus ihrem lokalen Cache folgen.
  • 308 — Permanent Redirect: Identisch mit 301, behält jedoch die HTTP-Methode bei (z. B. POST bleibt POST). Ideal für APIs.
  • 302 — Found (temporär): Rankingsignale verbleiben bei der ursprünglichen URL; das neue Ziel wird nicht dauerhaft indexiert. Richtig für A/B-Tests, Wartungsseiten oder dynamische Sprachweiterleitungen nach Accept-Language.
  • 307 — Temporary Redirect: Die methode-erhaltende Version des 302.

Der teuerste Fehler: Einen 302 für permanente Umzüge zu nutzen. Google versteht dies oft erst nach Monaten, in denen die alte URL rankt und die neue Seite unindexiert bleibt.

Weiterleitungsketten (Chains)

Eine Kette entsteht, wenn ein Redirect auf einen weiteren verweist:

http://example.com/alte-seite
  → 301 → https://example.com/alte-seite
  → 301 → https://www.example.com/alte-seite
  → 301 → https://www.example.com/neue-seite/
  → 200

Vier Anfragen, bevor der Browser den ersten Inhalt rendern kann.

Was kostet das wirklich?

Keinen PageRank: Google bestätigte bereits 2016, dass 301-Weiterleitungen den vollen Linkwert weitergeben.

Der reale Verlust ist Ladezeit: Auf Mobilgeräten fügt jeder Schritt 200–400 ms Latenz hinzu. Das verschlechtert den Largest Contentful Paint (LCP) direkt und erhöht die Absprungrate.

Die Lösung: Begradigen. Leiten Sie die ursprüngliche URL direkt auf das endgültige Ziel weiter statt auf den nächsten Zwischenschritt.

Der HSTS-Vorteil

Wer von http:// auf https:// weiterleitet, erzeugt bei jedem Erstbesucher einen zusätzlichen Roundtrip.

Mit aktivem HSTS entfällt dieser für alle Folgebesuche:

Strict-Transport-Security: max-age=31536000; includeSubDomains

Der Browser steuert die HTTPS-Version direkt an. Ein einziger Header spart messbar Ladezeit bei jedem Seitenaufruf.

Endlosschleifen (Loops)

Ein Redirect-Loop macht eine Seite komplett unerreichbar. Typische Ursachen:

  • Widersprüchliche Trailing-Slash-Regeln
  • HTTPS-Weiterleitungen in der Applikation, die mit dem CDN kollidieren
  • Sprachweichen, die sich gegenseitig im Kreis weiterleiten

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Der Relaunch-Fehler, der Rankings vernichtet

Jede alte URL mit Traffic oder Backlinks benötigt einen direkten 301-Redirect zum passendsten neuen Äquivalent.

Niemals pauschal auf die Startseite weiterleiten.

Google stuft Massenweiterleitungen auf die Startseite als Soft-404 ein und überträgt praktisch keine Ranking-Signale. So werden wertvolle Rankings bei Relaunches regelmäßig vernichtet.

Die saubere Vorgehensweise:

  1. Alte Website vollständig crawlen (Screaming Frog, Sitebulb oder bestehende Sitemap).
  2. Relevante URLs exportieren (alle URLs mit organischem Traffic oder Backlinks).
  3. 1:1-Weiterleitungsmatrix erstellen: Jede URL auf das spezifischste Gegenstück der neuen Website mappen.
  4. URLs ohne passenden Nachfolger sollten den Statuscode 410 Gone liefern. Das signalisiert Suchmaschinen das saubere Entfernen aus dem Index.
  5. Weiterleitungen zeitgleich mit dem Go-Live aktivieren.
  6. Search Console 4–6 Wochen überwachen.

Trailing Slashes

/seite und /seite/ sind technisch zwei verschiedene URLs. Wählen Sie eine einheitliche Konvention, leiten Sie die andere per 301 weiter und nutzen Sie in internen Links ausschließlich die kanonische Form.

Redirect versus Canonical

  • Redirect nutzen: Wenn eine Seite dauerhaft umgezogen ist und Nutzer das neue Ziel sehen sollen.
  • Canonical nutzen: Wenn beide URLs erreichbar bleiben müssen (z. B. Parameter für Kampagnen, Druckansichten), aber nur eine Version indexiert werden soll.

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